Rasanter Technologiewandel – .NET Core mit Angular

Die Technologien ändern schneller und die Vielfalt nimmt zu. Muss man immer auf dem neusten Stand sein? Am Beispiel der Microsoft .NET Core Technologie im Zusammenspiel mit Angular werden konkrete Antworten für eine Webanwendung aufgezeigt.

Webanwendung Heute

Eine mögliche Architektur auf dem neusten Stand der Technik sieht wie folgt aus:

  • Benutzeroberfläche mit Angular 4
  • Geschäftslogik, Datenhaltung mit .NET Core 2
  • Einsatz eines Frameworks für den Datenbank-Zugriff, z.B. Dapper
  • Test der Schnittstellen zwischen Angular und .NET Core mit Postman
  • Vollständige Entkopplung zwischen Benutzeroberfläche und Logik

.NET Core ist open source und Plattform unabhängig (läuft z.B. auf Windows, Linux und Mac). Angular ist die am weitesten verbreitete Technologie für Benutzeroberflächen von Webanwendungen.

VR-Technologie

Der Lauf der Zeit

Vor 4-5 Jahren sah die Vorgänger-Architektur so aus:

  • Benutzeroberfläche mit Razor Views (Einsatz eines JavaScript-Frameworks wie jQuery)
  • Geschäftslogik, Datenhaltung mit ASP.NET MVC (Model View Control) 5
  • Einsatz eines Frameworks für den Datenbank-Zugriff, z.B. Dapper
  • Vollständige Entkopplung zwischen Benutzeroberfläche und Logik

Im Jahr 2013/2014 gab es Angular 1 bereits, steckte noch in den Kinderschuhen. Ab 2015 war AngularJS verfügbar. D.h. vor 4-5 Jahren war Angular im Zusammenspiel mit ASP.NET MVC kein Thema.

Muss es immer das (Aller)Neuste sein?

Diese Frage hängt von der Konstellation ab:

1) Entwicklung einer neuen Anwendung

Hier lohnt sich der Einsatz der neusten Technologien. Damit wird die Zeit bis zum nächsten Wechsel maximal verzögert. Zu beachten sind folgende Punkte:

  • Technologie / eingesetzte Version muss stabil sein
  • Es müssen auf Fremdprodukte vorhanden sein. Konkretes Beispiel: NHibernate war Anfang 2018 nicht für .NET Core 2 verfügbar.
  • Neben der Entwicklung muss auch das Hosting angeschaut werden. .NET Core ist viel komplizierter als ASP.NET MVC

2) Weiterentwicklung einer bestehenden Anwendung

Meist werden noch andere Fremdprodukte / Bibliotheken eingesetzt. Solange der Support für diese Produkte und Technologien gewährleistet ist, muss nicht auf die neuste Technologie gewechselt werden. Dies ist meist für einige Jahre gewährleistet. Ausser es gibt neue Funktionen, die von der Anwendung gebraucht werden.

Technologie Wandel

Technologie Wechsel

In unserem Beispiel betrifft der Wechsel zwei Technologien:

1) Razor Views -> Angular

Es sind komplett verschiedene Technologien. Der bestehende Code kann nicht verwendete werden. Die Benutzeroberfläche muss neu entwickelt werden. Das bedeutet meistens viel Aufwand.

2) ASP.NET MVC -> .NET Core

Das Grundkonzept der Controller (Ablauflogik) kann übernommen werden. Der Startup-Code und die Konfiguration sind verschieden. Ein Teil des bestehenden Codes kann verwendet werden.

Im Normalfall ist der Controller-Teil eher klein. Darum ist es nicht so wichtig, wie viel davon wiederverwendet werden kann.

Wichtig ist, dass die Geschäftslogik nicht im Controller integriert ist.

Fazit

  • Wird eine Anwendung neu entwickelt, lohnt sich der Einsatz der neusten Technologien. Es sollen stabile Versionen eingesetzt werden. Weiter muss geprüft werden, ob es die nötigen Fremdprodukte zu dieser Technologie gibt.
  • Bei einer bestehenden Anwendung gibt es keinen zeitlichen Druck, die neusten Technologien einzusetzen.
  • Bei einem Technologiewechsel muss meist die Benutzeroberfläche neu entwickelt werden. Das ist mit viel Aufwand verbunden.
  • Die Geschäftslogik MUSS technologie-neutral sein. In unserem Fall: Programmierung in C# ohne Verweise / Referenzen auf Angular oder spezifische .NET Core Bibliotheken. Auf diese Weise kann die Geschäftslogik mit jeder Technologie eingesetzt werden, auch für ein App.

Links

Effiziente Software Begutachtung im Überblick

Haben Sie Ärger mit ihrem Software-Lieferanten oder möchten eine Aussage bezüglich Qualität ihrer Software? Mit ein paar Tagen Aufwand und der Pareto-Regel resultiert eine aussagekräftige Begutachtung. So wird’s gemacht.

Code Review

Die 3 wichtigsten Bereiche sind:

Architektur

Die Architektur resp. Struktur der Software ist von zentraler Bedeutung. Die meisten Anwendungen haben eine Benutzeroberfläche, bilden Firmenprozesse ab und speichern Daten. Dies ist eine sog. 3-Schichten-Architektur:

  • Benutzeroberfläche: Führt den Benutzer zielgerichtet zum gewünschten Ergebnis (Webanwendung, Desktop-Anwendung und/oder mobile Anwendung)
  • Geschäftslogik: Bildet die Firmenprozesse ab. Das Firmen-Wissen steckt in dieser Schicht. Dies ist der wichtigste Teil und muss wieder verwendbar sein.
  • Datenhaltung: Die Daten werden persistent gespeichert (Filesystem, Datenbank).

Die Struktur gibt einen ersten Hinweis auf die Granularität: Ist die Anwendung unterteilt in (zu) viele Unterprojekte oder gibt es ein riesiges Projekt, das alles beinhaltet.

Schnittstellen

Braucht die Anwendung Informationen von fremden Systemen oder liefert sie Informationen an fremde Systeme? Schnittstellen sind heikel. Es ist wichtig, dass diese gekapselt sind, damit Änderungen nicht die gesamte Anwendung betreffen. Und die Software muss robust resp. fehlertolerant sein.

Time for Code Review

Fremdprodukte

Um das Rad nicht neu zu erfinden, werden Fremdprodukte eingesetzt. Die Anzahl eingesetzter Fremdprodukte gibt einen Anhaltspunkt bez. Komplexität der Anwendung. Dabei unterscheide ich 2 Arten:

  • Komplexe Produkte wie z.B. eine Bibliothek zur Erstellung der Benutzeroberfläche oder zur Erstellung von Excel-Files ohne die Installation von Office.
  • Einfache Produkte wie z.B. ein Mapper (kopiert Daten von einem Objekt ins andere, hat keine Logik).

Für beide Arten gilt: Im Lauf der Zeit wird es neuere Versionen geben. Irgendwann muss auf eine neuere Version gewechselt werden. Dabei kann es passieren, dass die neue Version nicht mehr kompatibel ist und es zu einem ungeplanten Mehraufwand kommt. Oder ein Fremdprodukt wird abgekündigt und ein Ersatz muss gesucht werden.

Zusammenfassung

Je nach Grösse und Komplexität der Anwendung ist die grobe Analyse obiger Punkte in 1-3 Tagen gemacht. Das Resultat ist eine Liste mit Punkten zur detaillierten Abklärung.

Die technischen Details sind hier.

Excel-Anwendungen im Unternehmen – Gefahr oder Segen?

Excel bietet mehr als Tabellenkalkulationen: Charts, komplexe Berechnungen oder umfangreiche Formulare sind nur einige Beispiele. Excel ist weit verbreitet und der Quasi-Standard. Es braucht wenig Zeit, um eine Excel-Anwendung zu erstellen.

Neben Excel gibt es die Möglichkeit, massgeschneiderte, firmenspezifische Anwendungen zu entwickeln. Eine solche Anwendung bietet bei gewissen Einsatzgebieten Vorteile. Die Vor- und Nachteile der Ansätze werden gegenübergestellt. Eine Checkliste hilft, die richtige Wahl zu treffen.

 

Excel Anwendung

Checkliste

Die Features beziehen sich auf typische Anwendungen in KMU’s. Die Checkliste ermöglicht eine erste Einschätzung, ob eine Excel-, Desktop oder Webanwendung Sinn macht.

Feature Excel Desktop Webanwendung
Benutzer-führung / Usability Möglich
kann sehr aufwendig sein
Ja
Wizzard: Benutzer füllt Daten in vordefinierter Reihenfolge aus
Navigation: Hilft für  Überblick
Ja
Wizzard: Benutzer füllt Daten in vordefinierter Reihenfolge aus
Navigation: Hilft für  Überblick
Validierung Eingabedaten Möglich

kann sehr aufwendig sein

Ja

Z.B. mit Tooltips, Fehler-meldungen

Ja

Z.B. mit Tooltips, Fehler-meldungen

Benutzer muss jederzeit Zugriff haben Kaum möglich

Zugriff von privat meist unmöglich

Zugriff von mobilen Geräten meist nicht möglich

Kaum möglich

Zugriff von privat meist unmöglich

Zugriff von mobilen Geräten gar nicht möglich

Ja

Zugriff von privat OK

Zugriff von mobilen Geräten OK

Mehrsprachig Kaum möglich

Keine Unterstützung

Ja

Wird von allen gängigen Programmier-sprachen unterstützt

Ja

Wird von allen gängigen Programmier-sprachen unterstützt

Daten von Schnittstellen (extern) holen Kaum möglich Ja

Muss programmiert werden

Ja

Muss programmiert werden

Nachvollzieh-barkeit: Wer hat wann welche Eingaben gemacht Kaum möglich Ja

Muss programmiert werden

Ja

Muss programmiert werden

Integration in Office-Anwendungen Optimal Möglich

Muss programmiert werden

Möglich

Muss programmiert werden

Schutz von Firmen-Wissen Gering

Wer das Excel hat, kennt die Logik

Hoch

Quellcode ist für Aussenstehende nicht verfügbar

Hoch

Quellcode ist für Aussenstehende nicht verfügbar

Modularität: Gleiche Funktionalität nur 1x vorhanden Schwierig

Meist sind die einzelnen Excel-Files isoliert

Möglich

Muss vom Entwickler umgesetzt werden

Möglich

Muss vom Entwickler umgesetzt werden

Immer die neuste Version der Anwendung verwenden Nicht garantiert

Es zirkulieren alte Excel-Sheets

Garantiert.

Benutzer muss Update machen.

Garantiert

Passiert automatisch

Kompatibilität Aufwand gering

Aufwand für verschiedene Excel-Versionen

Aufwand gering

Aufwand für verschiedene Betriebssysteme

Aufwand mittel

Aufwand für verschiedene Browser

Aufwand für erstmalige Entwicklung Gering

Schnelle Fortschritte

Je umfang-reicher desto schwieriger

Mittel

Es braucht Abklärungen bez. Architektur / Struktur

Eher hoch

Es braucht Abklärungen bez. Architektur / Struktur

Hosting

Aufwand für Weiterent-wicklung Mittel

Ab einer gewissen Grösse / Komplexität unübersichtlich

Gering

Voraussetzung: Struktur passt

Gering

Voraussetzung: Struktur passt

Begriffserklärung für diesen Blog

Firmenspezifische Anwendung

Eine Anwendung ist ein Computerprogramm. Eine firmenspezifische Anwendung liefert auf spezifische Anwendungsfälle der Firma eine massgeschneiderte Lösung.

Mit welcher Technologie (Excel, Desktop, Webanwendung) die firmenspezifische Anwendung umgesetzt wird, spielt aus Sicht der Anwender keine Rolle.

Excel-Anwendung

Eine Excel-Anwendung besteht aus einem Excel-File (.xlsx oder .xls). Häufig braucht es Makros, welche mit VBA (Visual Basic for Applications) programmiert werden. Damit die Excel-Anwendung verwendet werden kann, muss Excel auf dem Gerät installiert sein.

Desktop Anwendung

Eine Desktopanwendung wird auf einem bestimmten Gerät (PC, Laptop) installiert. Eine Windows-Anwendung wird typischerweise als Desktopanwendung (exe-File) geliefert und muss vom Benutzer installiert werden.

Webanwendung

Eine Webanwendung braucht keine Installation. Es braucht lediglich einen Browser. Auf Webanwendungen kann auch von mobilen Geräten zugegriffen werden.

Zusammenfassung

Die Checkliste gibt eine erste Einschätzung. Fällt diese klar zugunsten einer Anwendungsart aus, sind keine weiteren Abklärungen nötig. Bei Unsicherheit kann es Sinn machen, zuerst die Excel-Anwendung (als Prototyp) zu erstellen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann diese durch eine Desktop- oder Webanwendung ersetzt werden.

Ärger mit ihren Software-Lieferanten?

Ein neues Projekt kommt nicht vom Fleck. Kleine Anpassungen sind zu teuer. Zum wiederholten Mal wird zu spät geliefert. Zu viele Beteiligte mit unklaren Kompetenzen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ein paar Tipps zur Abhilfe bei Ärger mit Software-Lieferanten.

Neue Projekte

Kommt ein neues Projekt nicht vom Fleck, gibt es verschiedene Gründe:

  1. Die Anforderungen sind nicht klar, unvollständig oder erst teilweise bekannt.
  2. Offeriert wird ein Ferrari, auch wenn ein VW Golf reicht.
  3. Zu komplizierter Prozessablauf mit zu vielen Diskussionsschlaufen.
  4. Zu hohe Kosten.
  5. Zu starker Fokus auf künftige Erweiterungen.

Beim 1. Punkt ist der Software-Lieferant in der Pflicht: Er muss nachfragen, damit er eine Anforderungsspezifikation sowie einen Mockup / Prototyp als Diskussionsgrundlage.

Jeder Software-Lieferant versucht, so effizient wie möglich zu sein. Werden verschiedene Anwendungen entwickelt, die eine gemeinsame Funktionalität haben, ist es sinnvoll, eine sog. Plattform zu entwickeln. Eine neue Anwendung ‘bekommt’ automatisch die gesamte Funktionalität der Plattform. Auf diese Weise können neue Anwendungen schneller entwickelt werden.

Die Gefahr vom Ferrari entsteht, wenn der Lieferant auf einer solchen Plattform aufbaut oder aufbauen muss. Wenn der Kunde nur einen Bruchteil der gesamten Funktionalität benötigt, bezahlt er dennoch den vollen Preis. Beim Einsatz einer proprietären Plattform ist es für den Kunden praktisch unmöglich, den Quellcode zu übernehmen und die Anwendung bei einem anderen Lieferanten weiter zu entwickeln. Ein späterer Wechsel des Lieferanten heisst, die Anwendung von Grund auf neu zu entwickeln.

Lieferanten-Stopp

Die Projektverantwortlichen des Lieferanten koordinieren die Software-Entwicklung. Sie müssen Einiges von IT resp. Software-Entwicklung verstehen. Sonst entsteht ein grosser Informationsverlust. Es ist wie beim Telefonspiel: Der Input beim ersten Glied (Projektleiter Kunde unterscheidet sich stark zum Output des letzten Glieds (Entwickler Lieferant). Jedes Glied, das weggelassen werden kann, reduziert den Informationsverlust.

Zu hohe Kosten entstehen, wenn ein Ferrari anstelle eines VW Golf geliefert wird. Oder die Entwickler etwas Falsches entwickeln, weil der Output beim letzten Glied falsch war. Hier hilft ein Hinterfragen der eingesetzten Produkte / Frameworks beim Lieferanten.

Sinnvoll ist es, künftige Erweiterungen von Anfang an in der Architektur zu berücksichtigen. Zu viel Gewicht sollte dennoch nicht beigemessen werden. Bei einem neuen Projekt ist es oft schwierig, mögliche Erweiterungen zu kennen.

Bestehende Projekte

Bei Ärger in einem bestehenden Projekt respektive einer existierenden Anwendung ist das primäre Ziel, mit dem Lieferanten einen Weg zu finden, um die Probleme zu lösen. Das ist am Einfachsten und Effizientesten. Ein Wechsel ist immer mit zusätzlichen Kosten und Zeitverlust verbunden und erst der letzte Ausweg.

Häufigste Probleme sind:

  1. Offerierte Kosten für die Weiterentwicklung sind zu hoch.
  2. Lieferverzug oder zu lange Lieferzeit.

Versteht der Kunde wenig von IT, lohnt sich der Einbezug eines Spezialisten in den Bereichen Architektur und Entwicklung. So können beim Lieferanten die richtigen Fragen gestellt werden. Es ist ein Gespräch auf Augenhöhe. Der Lieferant merkt, dass seine Aussagen und Offerten kritisch hinterfragt werden. Es ist vergleichbar mit dem Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung.

Der Quellcode gehört dem Kunde. Ein Code-Review seitens Kunde hat folgende Vorteile:

  • Der Lieferant weiss, dass er keine überhöhten Aufwände offerieren kann.
  • Der Kunde hat einen Überblick über die Architektur und die Qualität der Software. Bei grösseren Mängeln ist ein Refactoring (Überarbeitung der Software bei gleicher Funktionalität) sinnvoll, besonders bei einem langfristigen Projekt.
  • Schwachstellen können behoben werden und künftige Lieferungen sind schneller und günstiger.

Um die Kosten für den Review so gering wie möglich zu halten, reicht meist eine grobe Übersicht.

Zusammenfassung

Sie haben folgende Möglichkeiten, Termine und Kosten ihres Software-Lieferanten in den Griff zu bekommen:

  • Klare Definition der Anforderungen, damit der Lieferant weiss, was er machen muss.
  • So wenig Ansprechpersonen wie möglich, damit die ursprüngliche Information möglichst unverändert bleibt.
  • Hinterfragen der eingesetzten Produkte / Frameworks, falls ein Lieferantenwechsel geplant ist.
  • Beizug eines Software-Spezialisten, um die richtigen Fragen zu stellen.
  • Durchführung eines Code-Reviews, um den Druck auf den Lieferanten zu erhöhen und sich einen Überblick über die Software-Qualität zu beschaffen.

Qualität ja – genau so viel, wie nötig!

Qualität in der Software Entwicklung ist wichtig und kann gemessen werden. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Qualität. Je nach Anwendung ist nicht jeder Faktor gleich wichtig. Eine Online-Banking Anwendung hat andere Qualitätsfaktoren als eine Vereinsbuchhaltung. Bei allen Anwendungen gibt es bezüglich Qualität eine Gemeinsamkeit: Nur so viel Qualität wie nötig!

Qualitätssteigerung in der Software Entwicklung

In Anlehnung an ISO 25010 gibt es 8 Merkmale:

  • Funktionalität: Sind alle Funktionen vorhanden und korrekt umgesetzt.
  • Performanz: Sind die Antwortzeiten genügend schnell und ist der Ressourcenverbrauch OK.
  • Kompatibilität: Auf welchen Betriebssystemen, Browsern muss es funktionieren.
  • Benutzerfreundlichkeit: Kann der Benutzer die nötigen Aufgaben in nützlicher Frist lösen.
  • Zuverlässigkeit: Wie fehlertolerant ist die Anwendung, gibt es Abstürze.
  • Sicherheit
  • Wartbarkeit: Wie einfach können neue Funktionen umgesetzt werden.
  • Portierbarkeit

Der Fokus liegt in diesem Blog bei kleineren Anwendungen. Da sind Funktionalität, Performanz, Benutzerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit und Wartbarkeit am Wichtigsten. Die Merkmale müssen als Ganzes beurteilt werden, da sie sich gegenseitig beeinflussen können.

In einem ersten Schritt wird beschrieben, wie die Qualität dieser fünf Merkmale gemessen werden kann. In einem zweiten Schritt geht es darum, die Qualität als Ganzes zu verbessern.

Qualitätsmessung

Die Qualität kann nicht immer absolut gemessen werden. Darum macht es Sinn, sog. Qualitätsfaktoren zu definieren und diese zu bewerten oder zu messen.

Time-Cost-Quality

1.      Funktionalität

Damit die Funktionalität gemessen werden kann, muss diese beschrieben sein. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Pflichtenheft mit funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen
  • Prototyp / Mockup (Visualisierung)
  • Anwendungsfälle (Use Cases)

Je detaillierter die Beschreibung, desto einfacher ist die Messung resp. Überprüfung. Eine Kombination dieser Möglichkeiten ist sinnvoll.

2.      Performanz

Typischerweise werden die Antwortzeiten verschiedener Funktionen definiert. Wichtig sind die Randbedingungen: Wie viele Benutzer führen die Funktion gleichzeitig aus, wie gross ist die Datenmenge etc.

Beispiel: Das Lesen aller Hotel-Reservationen eines einzelnen Tages muss < 0.5 sec dauern.

Randbedingungen: 5 Benutzer gleichzeitig, die Datenmenge besteht aus 2000 Hotel-Reservationen.

Die Datenmenge kann einen erheblichen Einfluss auf die Antwortzeit haben. Sind nur 10 Hotel-Reservationen vorhanden, ist die Antwortzeit kürzer als bei 2000.

3.      Benutzerfreundlichkeit

Es gibt viele Möglichkeiten, die Benutzerfreundlichkeit (Usability) zu messen. Diese sind teilweise aufwändig und teuer.

  • Der Benutzer wird beobachtet, entweder im Labor oder in der richtigen Arbeitsumgebung. Beim Eye-Tracking wird geschaut, welchen Bereichen der Benutzeroberfläche am meisten Beachtung geschenkt wird.
  • Inspektion durch Experten, Überprüfung auf Normkonformität und allgemein anerkannte Richtlinien und Standards.
  • Fragebogen an Benutzer abgeben.
  • Mündliche Befragung (Interview).
  • Der Benutzer denkt bei der Durchführung laut und äussert so seine Gedanken und Gefühle.
  • Auswertung der Logfiles, z.B. Verweildauer, Navigationswege.

Daraus lassen sich sogenannte Metriken ableiten:

  • Effektivität: Anteil erfüllter Aufgaben x Erfüllungsgrad der Aufgaben
  • Effizienz: Effektivität / Aufgewendete Zeit
  • Benutzerzufriedenheit: Subjektive Eindrücke der Benutzer, statistisch ausgewertet
  • Anzahl Hotlineanrufe, Tickets

4.      Zuverlässigkeit

Verfügbarkeit, Fehlertoleranz und Wiederherstellbarkeit bilden als Ganzes die Zuverlässigkeit.

Die Verfügbarkeit kann einfach gemessen werden: Gesamtzeit – Ausfallzeit / Gesamtzeit.

Bei einfacheren Anwendungen entspricht die Fehlertoleranz der Robustheit der Benutzeroberfläche und/oder der Schnittstellen:

  • Ungültige / fehlende Eingaben bei Benutzeroberflächen dürfen zu keinem Fehler / Absturz führen.
  • Ungültige / fehlende Daten, welche über eine Schnittstelle bezogen werden, dürfen zu keinem Fehler / Absturz im nachfolgenden Ablauf führen.

Eine einfache Möglichkeit zur Messung der Fehlertoleranz besteht darin, die möglichen Eingabefehler / Schnittstellenfehler zu spezifizieren und zu testen.

Wiederherstellbarkeit bezeichnet die Fähigkeit, die Bereitstellung zu dem Punkt wiederherzustellen, zu dem ein Ausfall erfolgt ist. Die Fähigkeit zum schnellen Wiederherstellen nach einem Systemausfall erfordert nicht nur die Verfügbarkeit aktueller Sicherungen der Daten. Vielmehr muss auch ein Plan vorhanden sein, um diese Daten auf neuer Hardware wiederherstellen zu können.

Gemessen wird die Zeit, die es braucht, um das System auf der laufenden oder neuen Hardware wiederherstellen zu können.

Software-Quality-Management

5.      Wartbarkeit

Wiederverwendbarkeit, Modularität, Testbarkeit und Änderbarkeit bilden als Ganzes die Wartbarkeit. Letztendlich geht es darum, wie einfach eine bestehende Anwendung durch neue Funktionen erweitert werden kann. Die einzelnen Teile beeinflussen sich gegenseitig: Eine modulare Anwendung ist mit grosser Wahrscheinlichkeit besser testbar.

Bei Wiederverwendbarkeit geht es hier um Module. Ein Modul bietet eine in sich geschlossene Funktionalität an. Ein Modul kann innerhalb der gleichen Anwendung oder in verschiedenen Anwendungen wiederverwendet werden. In welchen Anwendungen ein Modul eingesetzt wird, kann meist durch Referenzen auf dieses Modul festgestellt und somit gemessen werden.

Modularität ist wie ein Baukasten. Im Idealfall werden aus dem Baukasten die einzelnen Module ausgewählt und miteinander verbunden / verlinkt. Modularität allein zu messen macht wenig Sinn. Stattdessen ist die Modularität Bestandteil der Wiederverwendbarkeit.

Die Testbarkeit wird indirekt gemessen resp. hängt vom Testaufwand ab. Je geringer die Testbarkeit, desto grösser der Testaufwand.

Die Änderbarkeit ist ein Mass dafür, wie schnell, fehlerfrei und einfach eine Änderung gemacht werden kann. Letztendlich wird die Zeit gemessen, welche dafür nötig ist. Ein absoluter Vergleich ist schwierig. Ist der Kunde bereit, die benötigte Zeit zu bezahlen, ist die Änderbarkeit gut. Nach mehreren Änderungen ist ein Trend ersichtlich.

6.      Zusammenfassung

Qualität wird wie folgt gemessen:

  • Funktionalität: Vergleich mit Pflichtenheft, Prototyp, Use Cases
  • Performanz: Messung von Antwortzeiten bestimmter Funktionen
  • Benutzerfreundlichkeit: Effizienz, Benutzerzufriedenheit, Hotline Anrufe
  • Zuverlässigkeit: Ausfallzeit, Wiederherstellungszeit, Spezifikation möglicher Fehler und Test
  • Wartbarkeit: Testaufwand, Zeit für Änderungen, Anzahl Wiederverwendungen / Modul

Im nächsten Beitrag werden die Möglichkeiten zur Verbesserung der Software Qualität beschrieben.

Weiterführende Links:

Qualitätsmerkmale von Software

Innovative Ideen umsetzen

Sie haben innovative Ideen und sehen grosses Potenzial. Sie wissen nicht, wie Sie diese Ideen erfolgreich umsetzen können? Dieser Beitrag zeigt einen schematischen Ablauf und mögliche Stolpersteine.

Innovative Ideen im Kopf

Die Idee im Kopf muss niedergeschrieben werden. Dadurch findet eine erste Präzisierung statt. Die Idee wird hinterfragt. Mehr als eine Seite (auf Papier) ist nicht nötig. Am besten zeigen Sie die Idee jemandem, der kein Fachspezialist ist. So ist sichergestellt, dass die Beschreibung verständlich ist und die erste Rückmeldung erfolgt.

Zu diesem Zeitpunkt macht eine kritische Beurteilung noch keinen Sinn. Diese muss vor der Umsetzung erfolgen.

Innovation
Innovation

Konkretisierung mit Visualisierung

Die Idee allein genügt noch nicht. Es braucht eine Konkretisierung sowie Marktabklärungen. Es ist nebensächlich, ob diese beiden Schritte nacheinander oder miteinander gemacht werden.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Das trifft auch hier zu. Eine Visualisierung der Idee ist verständlicher als Text. Die meisten Software Anwendungen haben eine Benutzeroberfläche. Eine rudimentäre Erstellung der verschiedenen Dialoge inkl. Navigation hilft ungemein, sich ein Bild der Idee machen zu können. Spätestens jetzt wird es zu wertvollen Diskussionen kommen: Wie ist das gemeint? Braucht es das?

Es gibt verschiedene Tools, um sog. Wireframes / Mockups zu erstellen. Wir setzen seit Jahren WireframeSketcher ein: Das Aussehen kann je nach Anwendungstyp (Mobile App, Webanwendung, Desktopanwendung) angepasst werden. Zudem kann die Visualisierung in die Cloud geladen und mit anderen Personen geteilt werden. Kommentare sind auch möglich, sodass eine interaktive Beurteilung möglich wird.

Marktabklärungen

Marktabklärungen sind unumgänglich. Die Umsetzung kostet Geld, es ist eine Investition. Einfache Marktabklärungen sind dank Google möglich:

  • Gibt es das Produkt bereits
  • Falls ja, zu welchem Preis und in welchen Ländern
  • Falls nein, gibt es ähnliche Produkte
  • Wie gross ist das Marktpotenzial, wieviel davon kann in etwa genutzt werden

Ein grosser Stolperstein ist das Zurechtbiegen der Abklärungen, damit sich die Umsetzung lohnt. Wenn Sie die Umsetzung schon gestartet und Zeit resp. Geld investiert haben, fällt ein späterer Abbruch umso schwerer.

Grundlage für den Entscheid sind vollständige Marktabklärungen. Was heisst vollständig? Die Marktabklärungen sollte nicht nur der Ideenlieferant, sondern mind. eine zusätzliche Person machen, z.B. der Begutachter der Idee. Der Ideenlieferant sucht in Google ganz anders als eine neutrale Person. Oft sind die Stichworte des Ideenlieferanten zu spezifisch, was unabsichtlich zu einer einseitigen Abklärung führt.

Market Research, Google
Market Research

Entscheid, Umsetzung

Fällt der Entscheid zugunsten der Umsetzung aus, geht es los. In einer kleineren Firma gibt es meist folgende Randbedingungen:

  • Wenig Budget
  • Wenig Zeit
  • Verkauf des Produkts so rasch wie möglich

Aus diesen Gründen ist eine agile Vorgehensweise sinnvoll. Sie müssen einen minimalen Funktionsumfang definieren. Danach können Sie das Produkt verkaufen. Vorteilhaft sind Testkunden, denen das Produkt schon vorher geliefert werden kann.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Je kleiner der minimale Funktionsumfang ist, desto schneller kann verkauft werden und desto schneller wird ersichtlich, ob das Produkt überhaupt rentiert.

Eine neu entwickelte Anwendung wird zu Beginn ein paar Kinderkrankheiten haben: Erfahrungsgemäss dauert die Entwicklung länger als geplant und der Termindruck ist gross. Darum muss nach der Einführung genügend Zeit für die Fehlerbehebung eingeplant werden. Eine kurze Reaktionszeit ist bei einem neuen Produkt sehr wichtig.

Fazit

Damit innovative Ideen erfolgreich umgesetzt werden können, braucht es:

  • Eine Konkretisierung der Idee auf max. 1 Blatt Papier
  • Eine Visualisierung der Idee inkl. Marktabklärungen
  • Eine kritische Beurteilung
  • Eine agile Umsetzung: Mit möglichst geringem Aufwand so rasch als möglich verkaufen

Mögliche Stolpersteine:

  • Keine (kritische) Beurteilung durch eine aussenstehende Person
  • Unvollständige Marktabklärungen / Zurechtbiegen der Marktabklärungen
  • Keine Etappierung der Umsetzung: Alles auf einmal
  • Schlechte Qualität und zu lange Reaktionszeit bei Problemen

Weiterbildung im digitalen Zeitalter

Weiterbildung ist wichtig und nötig. Qualifizierte Mitarbeiter sind unentbehrlich. Die Halbwertszeit des Wissens wird immer kürzer. Obwohl diese Tatsachen bekannt sind, hapert es oft bei der Umsetzung. Stete Weiterbildung im digitalen Zeitalter ist gefragt.

Wir befinden uns im digitalen Zeitalter, Industrie 4.0 ist in aller Munde. Den digitalen Wandel können wir nicht aufhalten, aber wir können ihn mitgestalten. Um längerfristig konkurrenzfähig zu bleiben, ist agieren (mitgestalten) gefragt. Unsere hohen Lohnkosten können wir z.B. durch eine schnellere Lieferung, bessere Qualität oder durch Einmaligkeit (der Erste sein) wettmachen. Damit dies möglich ist, braucht es gut qualifizierte Mitarbeiter auf allen Ebenen.

Weiterbildung im digitalen Zeitalter
Weiterbildung im digitalen Zeitalter

Weiterbildung kann auf verschiedene Arten erfolgen.

Zeitschriften, Fachartikel

Das ist am günstigsten. Ein regelmässiges Lesen von Zeitschriften hilft, künftige Trends erkennen zu können. Die Erkenntnisse werden im Team diskutiert, um eine möglichst breite Abstützung zu haben. Die Gefahr besteht, das Gelesene zu vergessen ohne es anzuwenden.

Knowhow-Transfer in der Firma

Wenn das Wissen in der Firma besser verteilt ist, erhöht sich die Flexibilität. Eine Firma hat z.B. 3 Entwickler. Der erste ist ein Datenbank Spezialist, der zweite programmiert Benutzeroberflächen und der dritte programmiert Geschäftslogik. Wenn jeder Entwickler nebst seinem Kerngebiet noch ein zweites Gebiet beherrscht, können diese Entwickler effizienter eingesetzt werden.

Das Erarbeiten des nötigen Wissen braucht Zeit und Geld. Ein erprobter Weg ist die Betreuung durch den Spezialisten. Dabei ist es wichtig, von Anfang an konkrete Aufgaben zu lösen. Ein theoretisches Einarbeiten durch das Studium vieler Dokumente ist wenig abwechslungsreich und langweilig.

Zu Beginn wird viel mehr Zeit benötigt, um eine Arbeit zu erledigen. Der Spezialist investiert Zeit in die Betreuung und der Lernende muss sich einarbeiten und sich im neuen Thema zurechtfinden. Mit der Zeit reduziert sich der Betreuungsaufwand merklich. So kann beispielsweise eine Stellvertretung in den Ferien erfolgen. Eine ungleichmässige Auslastung der Mitarbeiter kann so geglättet werden.

Mitarbeiter Skills
Mitarbeiter Skills

Lehrgänge, Studium

Es gibt verschiedene Lehrgänge und Studien an Höheren Fachschulen (HF) und Fachhochschulen (FH). Darauf wird nicht näher eingegangen, da es den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde.

On the Job

Training on the job ist heute selbstverständlich. Ein Mitarbeiter kommt früher oder später in eine Situation, wo das eigene Wissen nicht mehr ausreicht. Er muss sich neues Wissen bei einer konkreten Aufgabe aneignen. Google sei Dank.

Wichtig ist, dass eine Kontrolle stattfindet. Die gleiche Aufgabe kann auf verschiedene Arten gelöst werden und meist gibt es (zu) viele Möglichkeiten. Die Vor- und Nachteile müssen bekannt sein. Sonst besteht die Gefahr, dass die Lösung alles andere als optimal ist und die Probleme später auftreten, z.B. bei der Wartbarkeit.

Firmenkurse

Das ist die optimale Möglichkeit, einzelne Mitarbeiter gezielt weiter zu bilden. Diese sollten immer konkrete Projekte / Probleme der Firma behandeln. Dadurch ist der Lerneffekt am grössten, weil der Mitarbeiter etwas Neues lernt und es sogleich anwenden kann. Ob sich ein Firmenkurs (finanziell) lohnt, hängt von der Anzahl Teilnehmer und der Dauer ab. Die direkten Kosten sind meist höher als bei einem externen Kurs, dafür ist der Nutzen umso höher.

Externe Kurse

Externe Kurse gibt es praktisch zu jedem Thema. Die Schwierigkeit liegt darin, den richtigen Kurs mit dem richtigen Schwierigkeitsgrad zu finden. Über- und Unterforderung bringen wenig. Die Umsetzung des Gelernten in der Firma ist meist schwieriger als bei einem Firmenkurs. Dafür gibt es einen Austausch zwischen den Teilnehmern, der nicht zu unterschätzen ist.

Fazit

Wie so oft im Leben gibt es nicht die richtige oder die einzige Art der Weiterbildung. Eine Kombination ist meist sinnvoll. Welche Arten genutzt werden, hängen primär von der Qualifikation / Selbständigkeit der Mitarbeiter und den finanziellen Möglichkeiten der Firma ab. Wichtig ist, dass eine gezielte Weiterbildung erfolgt. Nichts tun und abwarten ist die falsche Strategie.

Weiterführende Links

Weiterbildung Höhere Fachschule Uster

Firmenkurse Hyperformers

IT im KMU – top oder flop?

Gestern ein neuer Release einer Anwendung, heute funktioniert nichts –  diese Erfahrung haben wohl schon viele gemacht – und die IT am liebsten in die Wüste geschickt. Die IT als Kostenfaktor und undurchsichtiges Gebilde? Fehler können nicht vermieden, aber minimiert werden. Voraussetzung ist ein Team aus Fachleuten – IT-Spezialisten,  IT-Generalisten und Business-Verantwortlichen, das mitdenkt, interdisziplinär arbeitet und über den eigenen Tellerrand blickt.

Es ist unbestritten, dass ohne IT nichts mehr läuft und die IT (eine Menge) Geld kostet. Durch die rasante Entwicklung (Stichwort Mobile Geräte) wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Grundlegend ist die Kenntnis über den Lebenszyklus einer Anwendung.

Lebenszyklus einer Anwendung

  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: Was soll die Anwendung tun, welches sind die Hauptfunktionalitäten? Was darf die Anwendung kosten? Daraus werden die einzelnen Anwendungsfälle (Use Cases) abgeleitet.
  • Anforderungsdefinition: Welches sind die Anforderungen an die Anwendung aus Sicht der IT? Ein wesentlicher Schritt ist das ‘Übersetzen’  resp. Transformieren der Business-Anforderungen in IT-Anforderungen. Häufig können aus Kostengründen nicht alle Anforderungen gleichzeitig umgesetzt werden und müssen priorisiert werden.
  • Design: Damit die Anwendung längerfristig rentiert und betrieben werden kann, wird sie in einzelne Bauteile (Komponenten) zerlegt. Die Flexibilität zur Erweiterung der existierenden Bauteile sowie zur Entwicklung neuer Bauteile muss vorhanden sein. Zudem werden die eingesetzten Technologien und Programmiersprachen festgelegt sowie die Schnittstellen definiert. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden für gewisse Funktionalitäten Fremdkomponenten eingesetzt (das Rad muss nicht neu erfunden werden).
  • Entwicklung: Anhand der Design-Vorgaben wird die Anwendung entwickelt.
  • Test: Zuerst werden die einzelnen Komponenten und Subkomponenten  separat getestet. Danach erfolgt der Test auf Anwendungs-Ebene, d.h. es werden die Use Cases aus der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung verifiziert.
  • Bereitstellung (Einführung oder Update): Nach erfolgreichen Tests wird die Anwendung bereitgestellt (erstmalige Einführung oder Update).

Je nach Grösse des KMU’s können einzelne Phasen ausgelagert werden (outsourcing).  Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sowie der Test der Anwendung sollten inhouse gemacht werden: das KMU muss selbst definieren, was die Anwendung tun soll – und dies auch verifizieren.

Fehler frühzeitig vermeiden

Fehler und Fehlerquellen

Fehlerquellen gibt es innerhalb sowie beim Übergang zwischen den einzelnen Phasen. Fehler in den einzelnen Phasen haben unterschiedliche Konsequenzen. Wenn z.B. die Anforderungen falsch oder unvollständig sind, kann das erhebliche Schwierigkeiten zur Folge haben. Wird dies erst in der Testphase bemerkt, muss möglicherweise die gesamte Anwendung umgebaut werden – ein enormer Aufwand mit entsprechenden Kosten. Ein Fehler in der Entwicklung hat meist keinen grösseren Einfluss auf die gesamte Anwendung; vorausgesetzt, das Design ist korrekt.

Zusammenarbeit und Kommunikation

Bei einer Zusammenarbeit mit einem externen Partner ist es wichtig, dass beide Seiten die gleiche Sprache sprechen. Der externe Partner muss genau verstehen, was die Anwendung tun soll. Auf Seite KMU muss jemand das nötige technische Wissen haben, um mit dem externen Partner diskutieren zu können.

Für ein KMU ist es unumgänglich, mindestens einen IT-Generalisten zu haben, der den Lebenszyklus einer Anwendung versteht und mit einem externen Partner zusammen arbeiten kann. Wird die Entwicklung inhouse gemacht, braucht es erfahrene Entwickler, die mitdenken. Es ist nicht möglich, die Vorgaben so genau zu beschreiben, dass kein Interpretationsspielraum besteht.

Um unangenehme Situationen, wie eingangs beschrieben, zu vermeiden, ist es wichtig, dass jedes Teammitglied die Bedürfnisse der anderen versteht. Kommunikation untereinander ist vielfach wichtiger als die verwendeten Technologien.

Zitat Michael Anton: “Ein Programm sollte nicht nur Hand und Fuß, sondern auch Herz und Hirn haben.”